Grenzgang - Der Ablauf

Biedenkopfs Reichtum ist sein Waldbesitzt und ist mit der größte kommunale Forst in Hessen. Dieser Waldbesitz sorgte für einen gewissen Wohlstand der Stadt Biedenkopf. Daher galt es immer wieder die Grenzen zu kontrollieren und zu pflegen. Dabei wurden die Grenzen in gewissen Abständen abgelaufen. Orientiert an dem Verlauf hat man sich an der Landschaft durch auffällige Steine, Bach-/Flussläufe, alten Bäumen usw.. Das Wissen darüber wurde von Generation zu Generation mündlich überliefert. 


Bei Grenzstreitigkeiten wurde in Prozessen auf die Personen zurückgeriffen, die einen Grenzverlauf genau beschreiben konnten. Eidesstattlich wurde darüber Auskunft gegeben. Schon aus alter Zeit sind Grenzbegehungen belegt, 1682 wurden die verpflichtend aber man kann annehmen, dass schon zu dieser Zeit der Grenzgang aus einer Mischung von amtlicher Pflicht und Volksfest bestanden hat. Meistens dauerten solche Grenzbegehungen nur zwei Tage. Im Jahr 1821 wurden die Grenzen durch die Katastarbehörden vermessen und in Flurplänen festgehalten. Ab diesem Zeitpunkt war der Grenzkontrollierende Grenzgang nicht mehr notwendig und er wird ab 1824 "nur noch" als regelmäßiges reines Volksfest gefeiert.

An drei Tagen, traditionell das vorletzte Augustwochenende im Grenzgangsjahr, wird die Gemarkungsgrenze abgeaufen. Seit 1886 in einem festgelegten Rythmus von 7 Jahren. Nur Katastrophen konnten diesen Ablauf bis heute unterbrechen, an dem sich mittlerweile zwischen 10.000 und 15.000 Menschen aus aller Welt beteiligen. 

Doch, bevor man die drei Tage feiert, gibt es viel zu tun. Das Grenzgangskomitee, welches als Verein über den Grenzgang wacht, diesen organisiert und während der Grenzgangszeit ein strenges Auge auf die Einhaltung der Traditionen hat, ruft im Winter des Jahres vor Grenzgang zu einer öffentlichen Versammlung ihrer Mitglieder auf. In dieser wird entschieden ob der Grenzgang "'naus geht".  Nachdem man beschlossen hat, dass der Grenzgang stattfinden wird, nimmt das Komitee (Vorstand des Grenzgangsverein) sofort die Arbeit auf und beginnt Verhandlungen mit Behörden, Lieferanten, Feuerwehr, Polizei, Forst, Musikern, Gastwirten, Schaustellern, usw.

Aufruf zur GründungsversammlungAufruf zur GründungsversammlungKurz nach Ostern im Grenzgangsjahr ruft der Vorstand des Grenzgangsverein dazu auf Männergesellschaften und Burschenschaften zu bilden, die nur zum Zweck zur Ausrichtung und Durchführung des Grenzgangs dienen und noch im gleichen Jahr in einer Abschlussversammlung wieder aufgelöst werden. Traditionell bilden sich jedoch immer wieder die gleichen Gesellschaften in der sich die Bürger (Männergesellschaften) zumeist anhand ihrer Wohngegend organisieren, während sich die Burschen nach ihren Stammgaststätten organisiert sind. In moderner Zeit ist diese Tradition doch mehr ins Hintertreffen getragen. Bei den Männdergesellschaften trifft dies auch oft noch weiterhin zu, ist es bei den Burschenschaften (auch deren zugehörigen Mädchen) so, dass man sich mit seinen besten Freunden auf eine Gesellschaft einigt. Dies hat zur Folge, dass die kleineren Burschen-/Mädchengesellschaften seit einiger Zeit am aussterben sind und sich nur noch wenige, große, Gesellschaften bilden, die dann aus 200 und mehr Burschen- und Mädchen bestehen. 

Nachdem der Grenzgangsverein zur Gründung von Gesellschaften aufgerufen hat, werden die Vorstände der alten Gesellschaften tätig und sorgen für Inserate in den Tageszeitungen, Aushänge an Schaukästen und Stammlokal sowie ganz viel Mundpropaganda dafür, dass möglichst viele Bürger, Bürgerinnen, Burschen und Mädchen, sowie auswärtige Gäste, an der Gründungsversammlung teilnehmen. 

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