Stadtgeschichte

Verpfändungen

Auch im Mittelalter war es das gleiche wie heute mit den Finanzen. Man hatte nie genug und so musste man, wenn kurzfristig größere Summen benötigt wurden, sich die Mittel woanders besorgen. Heute haben wir dafür Banken, staatliche Kredite, Hilfskredite und viele weitere Möglichkeiten der Finanzierung. 

Was sich nicht geändert hat ist, dass man Sicherheiten hinterlegen musste. Heute greift man bei Zahlungsschwierigkeiten auf die vorhandene verwertbare Masse zu wenn es zu Zahlungsausfällen kommt. Im Mittelalter war es üblich als Sicherheit ganze Städte, ja sogar das ganze Land als Pfand zu hinterlegen. 
Auch Biedenkopf, bzw. der Landgraf, der über Biedenkopf stand, nutzte die Möglichkeit Schulden zu machen intensiv und so kam es, dass einige Male die Stadt und Amt Biedenkopf im 13., 14. und 15. Jahrhundert verpfändet worden ist. Der Gläubiger besaß damit das Recht, welches ihm als Sicherheit gegeben worden ist, zur Befriedigung seiner Forderungen zu verwerten. 

Geschichte und Entstehung der Stadt

Schon sehr früh zogen Siedler lahnaufwärts und gründeten in geschickter Arbeit verschiedene Siedlungen an den Hängen und Tälern der Lahn. Sie bestellten ihre Felder, züchteten Vieh und lebten auf eingem Raum zusammen. Viele Orte um Biedenkopf dürften schon vor dem 8. Jahrhundert bestanden haben, doch nachweisbar ist aufgrund fehlenden Aufzeichnungen nur sehr wenig. Schriftliche Aufzeichnungen gibt es im allgemeinen erst dann, wenn Schenkungen vorgenommen worden sind, die Bürger Abgaben leisten mussten, Zeugen vor Gericht aussagten. Über Biedenkopf und seinen Ortsteilen existieren keine Aufzeichnungen, die eine Besiedelung einwandfrei datieren. 

Man nimmt an, dass im 8. Jahrhundert das Flußgebiet Lahn zum Lahngau gehörte. 

Gegen Ende des 9.Jhd. wurde das Gebiet unter den Enkeln des Herzog Gebhard (*832-†879) im Lahngau geteilt. Es entstanden die Gebiete Hessengau, Oberlahngau und Niederlahngau. Konrad wurde Graf von Hessen- und Oberlahngaues, die beide die Provincia Hassia bildeten.

Im Jahre 905 fiel Konrad bei der Babenberger Fehde und sein ältester Sohn, Konrad der Jüngere (der Jüngere ist wohl an den Vater angelehnt), erhielt die Würde eines Herzogs der Franken.

Chronik der Stadt Biedenkopf

  • Herrschaft

    Durch die Heirat der Tochter (Hedwig von Gusensberg *1098,†1148, ), des Grafen Giso IV (*1070, †1122) mit Ludwig I von Thüringen (*?,†1140) kommt das Land rund um Biedenkopf unter die Herrschaft der Landgrafen von Thüringen. Zur Festigung ihrer Macht errichteten sie eine Burg (vermutlich - möglich ist es auch, dass die Vorgängerburg durch die Herren von Hohenfels errichtet worden ist, die häufig im Streit mit den Gisonen (?) aus Elmshausen gelegen haben. Sie verlegten irgendwann ihren Sitz von Hohenfels bei Allendorf nach Biedenkopf - ob es stimmt, weiß ich nicht. Streit und gewaltsame Auseinandersetzungen sind jedenfalls belegt.).

  • Ersterwähnung

    1196 wird Biedenkopf zum ersten mal erwähnt. Allerdings nicht als Stadt/Ort, sondern im Namen eines Zeugen unter einer Kölner Urkunde. Harmuthdus de Biedencaph. 

  • Erwähnungen

    Im Zuge zu den Befragungen zur Heiligsprechung der Landgrafenwitwe Elisabeth wurde auch eine Zeugin, Margerit aus Biedenkopf, erwähnt. Villa de Bied(t)encaph
    https://archive.org/details/quellenstudienz00huysgoog/page/n6 Seite 230

  • Stadtgründung

    Landgräfliche Stadtgründung nach 1233

  • Trennung der Besitzungen

    Die hessischen Besitzungen von Thüringen trennen sich vom landgräflichen Besitz.

  • Biedenkopf wird Stadt

    In einer Urkunde wird Biedenkopf als "castrum et oppidum Biedencaph" beschrieben und somit als Stadt (Oppidum) bezeichnet. Wann Biedenkopf die Stadtrechte erhalten hat, ist nicht bekannt. 

    Im gleichen Jahr wird Biedenkopf als Pfand für die Mitgift der Landgräfin Elisabeth an Albert von Braunschweig eingesetzt. Gleich eine ganze Stadt als Pfand anzubieten war zu jener Zeit keine unübliche Angelegenheit. Biedenkopf wurde mehrmals im Laufe der Geschichte als Pfand "hinterlegt".

    Mehr über die Verpfändungen der Stadt Biedenkopf im Artikel Verpfändungen.

  • Stadtsiegel

    Stadtsiegel von Biedenkopf mit der Inschrift "SIGILLUM BURGENSIUM IN BIEDENCAPH"

    Bekannt seit 1250, belegt seit 1266 als urkundliches Siegel.

  • Erster(?) Peblan

    Schon 1266 wird ein Pleban in Biedenkopf genannt.

  • Caldern Kloster Plan He Stsarch Mr P II 1798 256

    Zeugen und Wappen

    In einer Urkunde des Klosters Caldern über die Erbschaft in Billinghausen, bei Biedenkopf, erscheinen als Zeugen: Comodus plebanus in Biedencap, Andreas de Fronhusen, Hako miles, Crafto de Hehenvels, Rudolphus de Lixfeldt, Hermanus et Ekhardus de Cellario, Hermanus de Holzhusen, scabini in B.
    Traditionellen Angaben zu Folge war Biedenkopf im Jahr 1236 noch ein Dorf. Die Urkunde aus dem Jahr 1272 zeigt das noch heute gebräuchliche Wappen der Stadt biedenkopf.

  • Burggraf

    Ritter Hechard, Burggraf in Biedenkopf

  • Druckershausen

    In diesem Jahr gab ein Biedenkopfer Bürger seine Güter in villa Druckershausen dem Kloster Caldern. (Urkunde im Kloster Caldern)

  • Burgbau

    Als bei einer eingetretenen Krankheit des Landgraf Heinrich des Kindes sein Sohn Otto von verschiedenen Städten Oberhessens sich hatte huldigen lassen, wurden diese Städte nachher, nachdem sie die hinterlistige Weise Otto erfahren hatten, unwillig. Otto vertrug sich (1296) mit seinem Vater, der ihm Homburg und Biedenkopf überlies. In Biedenkopf hielt er sich daher, so lange sein Vater noch lebte, auf und baute (1307) das Schloß Biedenkopf "vorn auf dem Berge", das vormals dahinter gelegen war, wie Kuchenbeden (anal.hass. III. 13.) anführt.
    Die gleiche Quelle erwähnt des Jahres 1293 mit der Angabe, dass das gegen Mitternacht gelegene Schloß zum ganzen neu erbaut wurde. Zu eben dieser Zeit warb die Stadt von dem f.g. Schloßhain gegen Norden hin bis da die s.g. Umdraht gebaut. Zu derselben Zeit haben sechs adeliche Familien mit ihren Häusern auf der s.g. Altenstadt gestanden und sind bewohnt worden von folgenden: von Breidenbach, von Doring, von Roßbach, von Elmshausen, von Genst. Bei dem Umbau der Burg wurde ein unterirdischer Gang vom Schloß aus nach dem s.g. Nonnenberg in das damals bestandene Ursulinakloster angelegt, der bei feindlichen Überfällen von Städern Gelegenheit zu sicheren Flucht nach dem Schloß geben sollte.

    Quelle: Bilder aus der hessischen Vorzeit, Darmstadt 1863

  • Cent

    Bis zur 1.Hälfte des 13.Jhd. wird Biedenkopf ist Biedenkopf dem Zent Dautphe zuzurechnen. 1302 wurde Biedenkopfer Amtsmann (officialis) das erste mal erwähnt. Die Amtsherrschaft war zunächst landgräflich.

  • Namensnennung

    Alungus Famulus, dictus de Breidenbach, castelanus in Bydenkap verkauft seine Güter in Herbach dem Kloster Altenburg. Als Zeugen erschienen dabei: Hermanus juxta cimiterium, Henricus Walterus, scabini in Biedenkap.
    Guntherus de Nunnenheim, civis in B.

    Gesiegelt hat Stadt Biedenkopf

  • Verpfändung der Stadt

    Burg und Stadt sind an den Bischof, Ludwig von Münster verpfändet.

  • Zuzug von neuen Bürgern

    Bürger der zwei kleinen ehemaligen Dörfer Druckershausen und Gonzenhausen siedelten sich ab 1340 nach und nach in der "Vorstadt" an.
    Da die Dörfer aufgegeben worden sind, sind nur noch sehr wenige Überreste bekannt (ein alter Brunnen als Beispiel beim Röhrs-Gründchen), Durch diesen Umstand vergrößerte sich auch der Waldbesitz von Biedenkopf. Die Vorstadt waren die freien Räume vor der Stadtmauer. Die heutige Hainstraße war der ersten Siedlungsraum für die neuen Bürger. Grund für die Aufgabe der Dörfer war wohl die immer attraktiver werdende "Industrie" in Biedenkopf. Während man sich in Druckershausen und Gonzenhausen auf den kargen Feldern fürs Überleben schinden musste, wurde in Biedenkopf schon viel Geld mit dem Tuchmacherhandwerk verdient. Vermutlich war die Aussicht auf ein wirtschaftlich besseres Auskommen der Grund. Aufzeichnungen darüber gibt es keine. Eine dritte, vom Namen unbekannte, Siedlung wird vermutet. Sie soll sich Nahe des Stefanborns befunden haben.

  • Verpfändung der Stadt

    Verpfändung von Stadt und Burg, unter Vorbehalt jederzeitiger Wiedereinlösung, an Johann von Breidenbach.

  • Verpfändung der Stadt

    Verpfändung von Stadt und Burg, unter Vorbehlat jederzeitiger Wiedereinlösung, an Wigand von Sichtershausen und Johann von Breidenbach.

  • Verpfändung der Stadt

    Verpfändung von Stadt und Burg, unter Vorbehalt jederzeitiger Wiedereinlösung, an Johann von Breidenbach.

  • Verpfändung der Stadt

    Kraft von Hatzfeld "bekennt sich" (behauptet wohl), dass Gerlach und Johann von Breidenbach zwei Drittel, er selbst ein Drittel an Stadt, Burg und Land Biedenkopf zu Pfand haben.

  • Bestätigung der Rechte

    1414 bestätigt Landgraf Ludwig den Bürgern von Biedenkopf ihre hergebrachten Gewohnheiten, Freiheiten und Rechte.

  • Kapelle zum Heiligen Geist

    1417 wird, im Zuge zur Hospitalgründung, die Kapelle zum Heiligen Geist als Siechenkapelle fertiggestellt. Diese Funktion hatte sie bis zur Auflösung des Hospitals 1826. Die Kapelle ist einer der ältesten mittelalterlichen Bauten in Biedenkopf und kann auch besichtigt werden. Außerdem findet dort an jedem Samstag ein Gottesdienst statt und bei den Heiraten geben sie die Paare in dieser Kirche am liebsten ihr Ja-Wort.

  • Burg verliert an Bedeutung

    1455 verlor die Burg die Bedeutung zur Landesverteidigung. Landgraf Ludwig I., auch der Friedsame genannt, erläßt von der Burg aus eine Gerichts- und Polizeiordnung für Hessen.

  • Pest in Biedenkopf

    Wütet auch in Biedenkopf die Pest. Über die Opferzahlen ist mir nichts bekannt.

  • Reformation

    Die Reformation wird eingeführt und somit endet die Amtszeit des letzten katholischen Pristers Ernst Banff. Gerlach Walther wird erster ev.-luth. Geistlicher in Biedenkopf.

  • Erster Schulmeister

    Erster Schulmeister Johannes Bremer wird erwähnt.

  • Universität Marburg nach Biedenkopf verlegt

    Wegen der Pest in Marburg wird die dortige Universität vorübergehend nach Biedenkopf verlegt.

  • Biedenkopf geht an Hessen-Marburg

    Nach dem Tod des Landgraf Philipp des Großmütigen kommt Biedenkopf mit seiner Umgebung an Hessen-Marburg.

  • Biedenkopf geht an Hessen-Kassel

    Ein anderer Todesfall, Landgraf Ludwig IV., sorgt dafür, dass Biedenkopf mit dem Erbe an Hessen-Kassel fällt.

  • Erneut ist die Universität Marburg in Biedenkopf

    Erneut verlegt man die Universität von Marburg nach Biedenkopf. Wieder gibt die in Marburg ausgebrochene Pest den Grund dazu.

  • 30 jährige Krieg

    Am 23. Mai 1618 begann der 30 Jahre andauernde Krieg, den auch unser Heimat mehrmals erreicht hat.

  • Feuersbrunst

    Kommt es zur Feuersbrunst in der Stadt, die 62 Häuser vernichtete - das waren so gut wie alle zu jener Zeit.!

  • Erneut wütet die Pest

    Die Pest wütet erneut in Biedenkopf.

  • Plünderung der Stadt

    1647 wurde die Stadt durch kaiserliche Truppen geplündert. Anschliessend äscherten die kaiserlichen Truppen noch 72 Wohnhäuser, 45 Scheunen und 24 Nebengebäude ein.

  • Ende des 30 jährigen Krieg

    Am 24. Oktober 1648 endete der Krieg, dessen Feldzüge und Schlachten überwiegend auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches stattgefunden hatten.

+ -